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FACHBEITRAG · GEWERBE · OSTTIROL · KÄRNTEN · · 7 Min Lesezeit

Die teuerste Viertelstunde des Jahres

Viele Betriebe zahlen einen erheblichen Teil ihrer Netzkosten für einen einzigen Moment — die Viertelstunde, in der sie am meisten Leistung aus dem Netz gezogen haben. Eine größere Photovoltaikanlage ändert daran oft erstaunlich wenig. Warum das so ist, wie man den eigenen Fall überprüft, und was wirklich gegen die Spitze hilft.

Ein Satz, den wir öfter hören

„Wir haben doch gerade erst die PV-Anlage vergrößert — warum wird die Stromrechnung nicht günstiger?“ Diese Frage stellen uns Betriebe regelmäßig, und sie ist vollkommen berechtigt. Die Anlage läuft, die Erträge stimmen, der Stromzukauf sinkt sichtbar. Und trotzdem bleibt ein großer Posten auf der Rechnung fast unverändert stehen.

Der Grund liegt darin, wie ein Gewerbebetrieb für Strom bezahlt — und dass es dabei nicht nur um Mengen geht.

Zwei Preise, die nichts miteinander zu tun haben

Auf der Rechnung eines Betriebs mit Lastprofilzähler stehen im Kern zwei verschiedene Dinge:

  • Der Arbeitspreis. Er richtet sich nach der Menge — jede bezogene Kilowattstunde kostet. Hier wirkt eine Photovoltaikanlage unmittelbar: Was selbst erzeugt wird, muss nicht gekauft werden.
  • Der Leistungspreis. Er richtet sich nicht nach der Menge, sondern nach der höchsten Leistung, die im Abrechnungszeitraum aus dem Netz gezogen wurde — gemittelt über eine Viertelstunde. Ob dieser Wert einmal im Jahr auftritt oder hundertmal, spielt für den Preis keine Rolle.

Das ist der entscheidende Punkt: Der Leistungspreis bemisst sich an einem einzigen Moment. Der Netzbetreiber muss die Leitung so auslegen, dass sie diese Spitze trägt — auch wenn sie nur fünfzehn Minuten im Jahr gebraucht wird. Genau das wird in Rechnung gestellt.

Wer nur die Menge senkt, senkt nur den halben Preis. Die Spitze bleibt, wo sie war.

Warum die Photovoltaik die Spitze meist nicht trifft

Bei den meisten produzierenden Betrieben entsteht die Leistungsspitze früh am Morgen. Kompressoren, Absaugung, Hallenheizung, Maschinen — beim Anfahren läuft vieles gleichzeitig an, und der Bezug schnellt für kurze Zeit nach oben. Zu dieser Stunde steht die Sonne noch tief oder gar nicht am Himmel.

Dazu kommt die Jahreszeit. Wir haben für einen Betrieb in Berglage die Erträge seiner Anlage über zwölf volle Monate ausgewertet — jeden Wechselrichter einzeln, direkt aus dem Portal:

November bis Februar 4 % des Jahresertrags SepOktNov DezJänFeb MärAprMai JunJulAug Im Jänner lieferte diese Anlage weniger als ein Prozent eines Sommermonats. Schnee auf den Modulen, tiefstehende Sonne. Monatserträge einer Gewerbeanlage in Berglage, ausgelesen aus dem Wechselrichterportal. Werte anonymisiert dargestellt.

Das Ergebnis war eindeutig: In den vier Wintermonaten lieferte die Anlage zusammen rund vier Prozent ihres Jahresertrags. Im Jänner war es weniger als ein Prozent dessen, was im Hochsommer möglich ist — Schnee auf den Modulen und ein tiefer Sonnenstand genügen dafür.

Ausgerechnet in diesen Monaten liegen bei vielen Betrieben die höchsten Bezugswerte des Jahres. Heizung, Beleuchtung, kurze Tage. Die Photovoltaik ist genau dann am schwächsten, wenn die Spitze am größten ist. Das ist kein Mangel der Anlage — es ist Physik.

Was das für die Entscheidung bedeutet

Man kann daraus zwei falsche Schlüsse ziehen. Der erste: „Dann bringt Photovoltaik ja nichts.“ Das stimmt nicht — beim Arbeitspreis wirkt sie zuverlässig, und je nach Betrieb deckt sie einen erheblichen Teil des Sommerverbrauchs. Der zweite falsche Schluss: „Dann bauen wir die Anlage eben noch größer.“ Auch das hilft nicht, denn im Jänner ist auch die doppelte Modulfläche zugeschneit.

Der richtige Schluss lautet: Menge und Spitze sind zwei verschiedene Probleme und brauchen zwei verschiedene Lösungen.

Was gegen die Spitze wirklich hilft

  • Ein Batteriespeicher, der gezielt in der Spitze entlädt. Er deckt die Differenz zwischen dem gewünschten Maximum und dem tatsächlichen Bedarf — und lädt sich in den ruhigen Stunden wieder auf, aus PV-Überschuss oder nachts aus dem Netz.
  • Ein Lastmanagement, das große Verbraucher verschiebt. Nicht jede Maschine muss ausgerechnet dann laufen, wenn ohnehin alles läuft. Oft genügen wenige Minuten Versatz beim Anfahren, um eine Spitze zu brechen.
  • Und vor beidem: die eigenen Messdaten. Ohne sie ist jede Speichergröße geraten.

Warum die Form der Kurve wichtiger ist als ihre Höhe

Hier steckt der Punkt, an dem in der Praxis die meisten Fehleinschätzungen passieren. Für die Frage, wie groß ein Speicher sein muss, ist nicht entscheidend, wie hoch die Spitze ist — sondern wie lange sie anhält.

Eine scharfe Spitze von zwanzig Minuten beim Anfahren lässt sich mit vergleichsweise wenig Kapazität abfangen. Ein Betrieb, der acht Stunden am Stück auf hohem Niveau fährt, braucht ein Vielfaches — und der teuerste Tag des Jahres ist dann oft gar nicht der mit dem höchsten Ausschlag, sondern der mit dem längsten Plateau.

Diesen Unterschied sieht man nur in den Viertelstundenwerten. Deshalb beginnt bei uns jedes Projekt dieser Art mit einer Auswertung des Lastgangs — und nicht mit einem Produktvorschlag.

Woher Sie Ihre eigenen Daten bekommen

Das Gute daran: Diese Daten gehören Ihnen, und Sie bekommen sie kostenlos. Jeder Betrieb mit Lastprofilzähler kann die Viertelstundenwerte im Kundenportal seines Netzbetreibers herunterladen — in der Regel für die letzten zwei bis drei Jahre. Das ist eine Datei mit etwa 35.000 Zeilen pro Jahr, und darin steht alles, was man wissen muss.

Aus ihr lässt sich ablesen, wann die Spitzen entstehen, ob sie kurz oder lang sind, an welchen Wochentagen sie sich häufen und wie viel Speicherkapazität es tatsächlich bräuchte, um eine bestimmte Grenze das ganze Jahr über zu halten. Ohne Annahmen, ohne Faustformeln.

Ein Hinweis zu den Netzentgelten ab 2027

Zurzeit ist zu lesen, dass die Netzkosten für Betriebe ab 2027 anders berechnet werden und Lastspitzen deutlich stärker zu Buche schlagen sollen. Dazu ist uns wichtig, genau zu bleiben:

Die maßgebliche Verordnung ist seit 12. Oktober 2026 kundgemacht. Die Tarifverordnung, die daraus konkrete Beträge macht, liegt aber noch nicht vor. Die Richtung ist erkennbar — die Zahl ist es nicht.

Wir halten wenig davon, Betrieben Einsparungen für ein Regelwerk vorzurechnen, das es noch nicht gibt. Was sich heute schon rechnen lässt, ist die Wirkung auf die bestehende Entgeltsystematik. Die Beträge ergänzen wir, sobald die Tarifverordnung vorliegt. Wenn Sie ein Angebot bekommen, in dem 2027er-Ersparnisse fix eingerechnet sind, fragen Sie nach der Fundstelle.

Was wir dabei für Sie tun

  • Wir werten Ihren Lastgang aus. Viertelstunde für Viertelstunde über den gesamten verfügbaren Zeitraum, nicht als Stichprobe.
  • Wir simulieren die Kappung. Auf Ihren echten Daten, jede Grenze über das ganze Jahr durchgeprüft — auch die Tage, an denen der Speicher am Vortag nicht voll geworden ist.
  • Wir sehen uns Ihre bestehende Anlage an. Ein Blick ins Wechselrichterportal zeigt oft mehr, als man erwartet — auch Dinge, die mit dem geplanten Projekt nichts zu tun haben.
  • Wir sagen es auch, wenn sich etwas nicht rechnet. Ein Speicher, der eine Spitze nicht zuverlässig hält, hilft niemandem.
Wir raten nicht — wir rechnen.

Die Auswertung selbst kostet Sie nichts und verpflichtet zu nichts. Wenn dabei herauskommt, dass Ihr Betrieb kein Spitzenproblem hat, ist das auch ein Ergebnis — und ein gutes.

Was ist der Leistungspreis auf der Stromrechnung?

Der Leistungspreis ist der Teil der Netzkosten, der sich nicht nach der verbrauchten Strommenge richtet, sondern nach der höchsten Leistung, die ein Betrieb aus dem Netz gezogen hat — gemessen als Mittelwert über eine Viertelstunde. Bezahlt wird also nicht, wie viel Strom insgesamt geflossen ist, sondern wie stark der Bezug in der stärksten Viertelstunde war.

Senkt eine Photovoltaikanlage die Netzspitze eines Betriebs?

Meist nur wenig. Die Leistungsspitze vieler Produktionsbetriebe entsteht früh am Morgen beim Anfahren der Maschinen — zu einer Zeit, in der die Photovoltaik noch kaum Leistung bringt. Im Winter kommt hinzu, dass die Erzeugung ohnehin gering ist. Die Photovoltaik senkt zuverlässig den Arbeitspreis, also die bezogene Strommenge; gegen die Spitze wirkt sie nur, wenn diese mittags auftritt.

Wie findet man heraus, wann die eigene Lastspitze entsteht?

Über die Viertelstundenwerte des Netzbetreibers. Jeder Betrieb mit Lastprofilzähler kann diese Daten kostenlos im Kundenportal seines Netzbetreibers herunterladen, meist für die vergangenen zwei bis drei Jahre. Darin steht für jede Viertelstunde des Jahres, wie viel Leistung bezogen wurde — daraus lässt sich exakt bestimmen, wann und warum die teuersten Werte entstehen.

Ab wann rechnet sich ein Batteriespeicher zur Lastspitzenkappung?

Das hängt weniger von der Speichergröße ab als von der Form der Lastkurve. Entscheidend ist, wie lange eine Spitze anhält: Eine kurze Spitze von wenigen Minuten lässt sich mit wenig Kapazität kappen, ein Plateau über mehrere Stunden braucht ein Vielfaches davon. Deshalb ist die Auswertung der eigenen Viertelstundenwerte der erste Schritt — nicht die Auswahl eines Produkts.

Ändert sich die Berechnung der Netzentgelte in Österreich?

Die neue Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung wurde am 12. Oktober 2026 kundgemacht (BGBl. II Nr. 299/2026). Sie gewichtet das monatliche Viertelstundenmaximum stärker. Bis die zugehörige Tarifverordnung vorliegt, lassen sich daraus aber keine belastbaren Beträge ableiten. Wer heute Euro-Beträge für 2027 nennt, rechnet mit Simulationen.

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