Wärmepumpe und Photovoltaik im Osttiroler Winter: was der Speicher wirklich bringt
Ein Haus mit Wärmepumpe verbraucht im Jänner das Vierfache vom Juni – genau dann, wenn die PV-Anlage am wenigsten liefert. Was ein Speicher daran ändert und was nicht, zeigt das ELMETIC-Energiemodell Monat für Monat.

Das Beispielhaus – und warum wir rechnen statt schätzen
Wir nehmen das Beispielhaus aus unserem Energiemodell: Leisach bei Lienz, Süddach mit 30°, Talhorizont 12 bis 28°, 10 kWp Photovoltaik, 4.500 kWh Haushaltsstrom und eine Wärmepumpe mit 3 kWh am Tag für Warmwasser plus bis zu 26 kWh am Tag für die Heizung im Jänner. Zusammen sind das 9.988 kWh im Jahr; die Anlage erzeugt 10.506 kWh – kalibriert auf den PVGIS-Richtwert von 1.050 kWh je kWp.
Auf dem Papier deckt die Erzeugung also den Verbrauch. Tatsächlich fallen beide zu völlig verschiedenen Zeiten an: Die Wärmepumpe braucht den Strom im Winter, die Sonne liefert ihn im Sommer. Genau diese Lücke entscheidet, was ein Speicher kann.
Netzbezug Monat für Monat
| Monat | ohne Speicher | mit 10 kWh | mit 15 kWh | 14 kWp + 10 kWh |
|---|---|---|---|---|
| Jänner | 1.084 kWh | 870 | 870 | 783 |
| Februar | 875 | 606 | 530 | 603 |
| März | 785 | 487 | 338 | 484 |
| April | 528 | 240 | 96 | 237 |
| Mai | 368 | 70 | 0 | 68 |
| Juni | 277 | 0 | 0 | 0 |
| Juli | 276 | 0 | 0 | 0 |
| August | 303 | 5 | 0 | 3 |
| September | 377 | 89 | 0 | 86 |
| Oktober | 616 | 319 | 170 | 316 |
| November | 880 | 592 | 592 | 590 |
| Dezember | 1.091 | 915 | 915 | 791 |
| Jahr | 7.461 | 4.193 | 3.511 | 3.960 |
| Autarkie | 25 % | 58 % | 65 % | 60 % |
ELMETIC-Energiemodell, Beispielhaus Leisach, Klarsicht-Modell kalibriert auf 1.050 kWh/kWp; reale Winter mit Schnee auf den Modulen liegen darunter. Probieren Sie es mit Ihren Zahlen im PV-Rechner, Abschnitt „Ein Tag im Modell“.
Drei Dinge, die die Tabelle zeigt
Erstens: Der Speicher ist ein Sommer- und Übergangszeit-Gerät. Von Mai bis September braucht das Beispielhaus mit 10 kWh praktisch keinen Netzstrom mehr; im April und Oktober halbiert sich der Bezug. Das ist der eigentliche Nutzen – und er ist groß.
Zweitens: Im Winter ist der Speicher meist leer, bevor die Wärmepumpe am Abend anläuft. An einem klaren 21. Dezember erzeugt die Anlage 18 kWh, das Haus verbraucht 41 kWh; 25,5 kWh kommen aus dem Netz, die Autarkie liegt bei 38 %. Ein größerer Speicher speichert nichts, was nicht da ist.
Drittens: Mehr Dachfläche hilft im Winter mehr als mehr Batterie, aber auch sie stößt an die Sonne: Zwischen November und Februar steht die Sonne in Leisach höchstens 20° hoch und verschwindet früh hinter dem Grat.
So legen wir PV und Speicher bei Wärmepumpen aus
- Speicher für März bis Oktober dimensionieren. 10 bis 12 kWh für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe, 15 kWh mit E-Auto – das sind die Werte unseres Rechenkerns. Nicht auf den Jänner rechnen; der wäre nur mit einem unbezahlbar großen Speicher zu decken.
- Dach voll belegen, Ost-West nutzen. Jede zusätzliche Kilowatt Spitzenleistung ist günstiger als die erste und liefert im Winter anteilig mehr, wenn die Kurve breit ist. Ost-West bringt Morgen- und Abendstrom, wenn die Wärmepumpe läuft.
- Wärmepumpe steuern lassen. Über SG-Ready oder das Energiemanagement heizt die Wärmepumpe den Warmwasserspeicher bevorzugt am Mittag mit Überschuss – von März bis Oktober fast kostenlos.
- Winterstrom bewusst einkaufen. Mit einem dynamischen Tarif lädt der Speicher in günstigen Nachtstunden und liefert die Morgenspitze; die Netzentgelt-Reform 2027 macht das doppelt interessant, weil die Viertelstunden-Spitze mitzählt.
- Notstrom mitdenken. Wärmepumpe und Heizungssteuerung gehören auf den Notstromkreis – bei Netzausfall im Winter ist das der wichtigste Verbraucher im Haus.
Ob das für Ihr Haus passt, zeigt eine Verbrauchsanalyse mit den Viertelstundenwerten Ihres Netzbetreibers – kostenlos, und die Grundlage für jede ehrliche Speicherempfehlung. Mehr zur Technik im Ratgeber „Stromspeicher richtig dimensionieren“.
Häufige Fragen
Wie groß sollte der Speicher bei einer Wärmepumpe sein?
Für ein Einfamilienhaus mit 4.500 kWh Haushaltsstrom und Wärmepumpe empfiehlt unser Rechenkern 12 kWh, mit E-Auto 15 kWh. Größer bringt im Winter nichts: Im Modell ändert sich der Jänner-Netzbezug zwischen 10 und 15 kWh Speicher um null.
Kann die Wärmepumpe im Winter mit PV-Strom laufen?
Nur zu einem kleinen Teil. Im Dezember erzeugt die 10-kWp-Anlage im Beispiel 18 kWh am Tag, das Haus braucht 41 kWh – 25 kWh kommen aus dem Netz, trotz Speicher. Von März bis Oktober dreht sich das Bild, dann läuft die Warmwasserbereitung fast vollständig mit Sonnenstrom.
Hilft eine größere PV-Anlage mehr als ein größerer Speicher?
Im Winter ja, aber begrenzt: 14 statt 10 kWp senken den Jänner-Netzbezug im Modell von 870 auf 783 kWh, also um rund 10 Prozent. Die Sommerüberschüsse steigen dafür stark. Ost-West-Belegung und eine volle Dachausnutzung sind bei Wärmepumpen der richtige Weg.
Was bedeutet die Netzentgelt-Reform 2027 für Wärmepumpen-Haushalte?
Ab 1. Jänner 2027 zählt auch für Haushalte die höchste Viertelstunden-Leistung des Monats mit. Wärmepumpe, Herd und Wallbox gleichzeitig ergeben schnell 17 kW. Ein Speicher mit genug Entladeleistung kappt diese Spitze – ein zweiter Grund für den Speicher, unabhängig vom Winterertrag.
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