Verbrannte Klemmen: Was in der Abzweigdose passiert – und warum ein E-Check hilft
Diese Klemmen haben wir bei Einsätzen aus Abzweigdosen geholt. Verschmort, geschmolzen, verrußt – und von außen war die Gefahr hinter der Abdeckung nicht zu sehen. Warum das passiert, warum Sicherung und FI-Schalter es nicht verhindern und woran ein E-Check solche Stellen erkennt.

Was Sie auf den Bildern sehen
Die Klemmen auf dem Titelbild stammen aus Abzweigdosen, die wir bei Einsätzen geöffnet haben. Links eine fünfpolige Hebelklemme: Das Gehäuse ist verrußt, die Isolierung der Leiter verkohlt, das Kupfer grünlich angelaufen. In der Mitte eine Steckklemme, deren Kunststoff geschmolzen ist. Rechts eine Klemme, die auf den ersten Blick noch in Ordnung wirkt – an einem Anschluss ist sie aber bereits angeschmort. Genau das ist das Stadium, in dem man noch nichts riecht.


Solche Schäden sitzen hinter Schalterabdeckungen, in Abzweigdosen unter Putz oder in Zwischendecken – dort, wo im Alltag niemand hinschaut.
Warum eine Klemme verbrennt
In einer Klemme fließt der ganze Strom eines Stromkreises über eine kleine Kontaktfläche. Ist die Verbindung nicht einwandfrei, steigt dort der Übergangswiderstand – und genau an dieser Stelle entsteht Wärme. Die Wärme lässt den Kontakt weiter altern, der Widerstand steigt, es wird noch heißer. Dieser Kreislauf kann über Monate oder Jahre laufen, bevor man etwas merkt.
Die häufigsten Ursachen, die wir vorfinden:
- Leiter nicht vollständig eingesteckt oder falsch abisoliert – die Klemme greift nur einen Teil des Kupfers.
- Flexible Leiter in Klemmen für massive Leiter – feindrähtige Litzen brauchen eine dafür zugelassene Klemme.
- Dauerhafte Überlast: Heizlüfter, Durchlauferhitzer oder mehrere Großverbraucher an einem Stromkreis, der dafür nie ausgelegt war.
- Zu viele oder ungleiche Leiter in einer Klemme, unpassende Querschnitte.
- Klemmen ohne Prüfzeichen aus dem Online-Handel.
- Feuchtigkeit und Alterung: Oxidation – der grünliche Belag auf dem Foto – erhöht den Widerstand zusätzlich.
- Umbauten ohne Fachkraft: eine zusätzliche Steckdose, ein neuer Verbraucher, „schnell selbst angeklemmt“.
Warum Sicherung und FI-Schalter das nicht verhindern
Der Leitungsschutzschalter (die „Sicherung“) schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Er löst nach der Stromstärke aus – nicht nach der Temperatur an einer einzelnen Klemme. Eine schlechte Verbindung kann bei völlig normalem Strom glühen, ohne dass er reagiert.
Der FI-Schutzschalter erkennt Fehlerströme gegen Erde und schützt Menschen vor gefährlichen Körperströmen. Einen erhöhten Widerstand im Stromkreis sieht er nicht. Deshalb bleiben solche Fehler so lange unbemerkt.
Ergänzend gibt es Brandschutzschalter (Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen), die typische Lichtbögen an schlechten Verbindungen erkennen und den Stromkreis abschalten. Sie lassen sich im Verteiler nachrüsten. Ob sie bei Ihrer Anlage sinnvoll sind, klären wir beim Check.
Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten
- Licht flackert oder wird kurz dunkler, wenn ein Gerät anläuft.
- Schalter, Steckdosen oder Dosendeckel werden warm.
- Schmor- oder Kunststoffgeruch, ohne dass eine Quelle zu finden ist.
- Knistern oder Summen hinter einer Abdeckung.
- Braun verfärbte Abdeckungen oder Steckdosen.
- Eine Sicherung löst ab und zu aus, ohne erkennbaren Grund.
Brandgeruch oder Rauch? Sicherung oder Hauptschalter ausschalten, nichts mehr anfassen und anrufen: 04852 231 24 (Bereitschaftsdienst täglich 6–22 Uhr). Bei Flammen sofort die Feuerwehr: 122.
Was ein E-Check findet
Beim E-Check – in Österreich als Elektrobefund oder Anlagenprüfung nach OVE E 8101 bezeichnet – prüfen wir die Anlage systematisch:
- Sichtprüfung von Verteiler, Abzweigdosen und Anschlüssen – gezielt dort, wo Alter und Belastung es nahelegen.
- Messungen: Isolationswiderstand, Schutzleiter, Abschaltbedingungen und die Auslöseprüfung der FI-Schutzschalter.
- Abgleich von Absicherung, Leitung und Verbrauchern – passt der Stromkreis zu dem, was heute daran hängt?
Nicht jede schlechte Klemme verrät sich in einer Messung. Deshalb öffnen wir dort, wo es Anzeichen gibt, gezielt Dosen. Am Ende stehen ein Befund und eine Mängelliste mit Fixpreis – Sie entscheiden, was wir beheben.
Wann sich ein E-Check besonders lohnt
- Das Haus ist älter als 25 bis 30 Jahre oder es gab Umbauten, die niemand dokumentiert hat.
- Sie kaufen oder übernehmen eine Immobilie.
- Sie vermieten – oder führen einen Betrieb, für den die Elektroschutzverordnung regelmäßige Prüfungen vorschreibt (mehr zum E-Befund).
- Neue Großverbraucher kommen dazu: Wallbox, Wärmepumpe, Photovoltaik oder Speicher.
- Nach einem Wasserschaden oder wenn eines der Warnzeichen oben auftritt.
Ein E-Check dauert meist wenige Stunden und gibt Ihnen Gewissheit über eine Anlage, die Sie jeden Tag benutzen – aber selten sehen.
Häufige Fragen
Kann eine Klemme verbrennen, ohne dass die Sicherung auslöst?
Ja. Der Leitungsschutzschalter reagiert auf zu hohen Strom, nicht auf die Temperatur an einer einzelnen Verbindung. Eine schlecht kontaktierte Klemme kann bei ganz normalem Strom so heiß werden, dass Kunststoff schmilzt – die Sicherung bleibt dabei drin.
Schützt mich der FI-Schalter vor verschmorten Klemmen?
Nein. Der FI-Schutzschalter erkennt Fehlerströme gegen Erde und schützt so vor gefährlichen Körperströmen. Einen erhöhten Übergangswiderstand im Stromkreis erkennt er nicht. Ergänzend gibt es Brandschutzschalter, die typische Fehlerlichtbögen erkennen; ob sie bei Ihnen sinnvoll sind, klären wir beim Check.
Woran erkenne ich eine überhitzte Verbindung?
Typische Zeichen sind flackerndes Licht, warme Schalter, Steckdosen oder Dosendeckel, Schmor- oder Kunststoffgeruch ohne erkennbare Quelle, Knistern hinter Abdeckungen, verfärbte Abdeckungen und Sicherungen, die sporadisch auslösen. Bei Brandgeruch oder Rauch: Sicherung oder Hauptschalter aus, nichts mehr anfassen und anrufen.
Wie oft sollte die Elektroanlage im Haus geprüft werden?
Für Betriebe schreibt die Elektroschutzverordnung feste Fristen vor, meist fünf Jahre. Für Privathäuser gibt es keine gesetzliche Frist. Wir empfehlen einen E-Check beim Kauf einer Immobilie, bevor neue Großverbraucher wie Wallbox oder Wärmepumpe dazukommen, und bei Anlagen, die älter als 25 bis 30 Jahre sind.
Darf ich eine verschmorte Klemme selbst tauschen?
Arbeiten an der fest installierten Elektroanlage gehören in die Hand einer befugten Elektrofachkraft – auch wegen Haftung und Versicherung. Dazu kommt: Eine verbrannte Klemme ist meist das Symptom. Ob Leiter, Absicherung oder Belastung die Ursache sind, zeigt erst die Prüfung des ganzen Stromkreises.
Wir sehen nach –
bevor es riecht.
E-Check durch den Elektromeister in Osttirol und Oberkärnten: Sichtprüfung, Messungen, Befund und eine Mängelliste mit Fixpreis.